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100 Jahre E+S Rück­versicherung AG

Eine langsame An­näher­ung

Die Eisen und Stahl hatte ihren Sitz ebenfalls im Jahr 1966 offiziell von Düsseldorf nach Hannover in die Hohenzollernstraße 26 verlegt. De facto war die Verwaltung aber schon 1962 nach Hannover umgezogen. Dort arbeiteten insgesamt zehn Angestellte in einer zum Büro umgebauten Wohnung mit fünf Zimmern, wie sich Rosemarie Mertes erinnert, seit 1968 als Sekretärin bei der Eisen und Stahl tätig. Ein Zimmer war für den Vorstandsvorsitzenden reserviert, der es allerdings so gut wie nie nutzte und das Unternehmen von seinem Vorstandsbüro beim Haftpflichtverband aus führte.

Foto Vorstand Heinz Brenzel
Heinz Brenzel, Vorstandsvorsitzender der Eisen und Stahl

Zunächst hatten die Gesellschaften getrennte Vorstände und Geschäftsaktivitäten. An der Spitze der Eisen und Stahl stand von 1962 bis 1967 Heinz Brenzel, wie seine beiden Vorgänger Vorstandsmitglied des Haftpflichtverbandes. Auf ihn folgte von 1967 bis 1972 Klaus Frentzel, der schon einmal von 1956 bis 1962 das Unternehmen geführt hatte. Die ATR wurde von Claus Bingemer geleitet, der als einer der ersten Mitarbeiter 1966 zu dem neu gegründeten Unternehmen gestoßen war.

Claus Bingemer, Vorstandsvorsitzender der ATR
Claus Bingemer, Vorstandsvorsitzender der ATR (später Hannover Rück)

Die Eisen und Stahl hatte mit der ATR nun nach 47 Jahren im Markt eine Schwestergesellschaft. Und die Vorstände beider Rückversicherungsgesellschaften mussten jetzt eine Strategie entwickeln, die einerseits die unterschiedlichen autonomen Geschäftsziele vorgab, andererseits aber auch Synergien zu heben hatte. Das war kein einfacher Prozess. „Die Ziele konnten nur langfristig und mühsam umgesetzt werden“, wie der ATR-Vorstandsvorsitzende Bingemer im Rückblick formulierte. Schließlich musste hier materiell eine Fusion vollzogen werden – aber unter Beibehaltung der rechtlichen Autonomie beider Gesellschaften mit einem teilweise unterschiedlichen Aktionärskreis. „Die Angelegenheit war vielschichtig und komplex. Geduld und Behutsamkeit waren angesagt“, erinnerte sich Bingemer.

Cover Geschäftsbericht Eisen und Stahl 1975
Das erste Mal mit neuem Logo und mit E+S: Geschäftsbericht der Eisen und Stahl 1975

Die Aktionäre der Eisen und Stahl waren wichtige Zedenten; gleichzeitig konkurrierten sie und der Haftpflichtverband aber im Erstversicherungsmarkt vor allem in der Kraftfahrtversicherung heftig miteinander. 1973 wurde eine „Verwaltungsgemeinschaft“ beider Gesellschaften etabliert. 1972 war Bingemer Sprecher des Vorstands bei beiden Gesellschaften geworden. Erstmals wurde die Eisen und Stahl damit nicht mehr von einem Vorstand des Haftpflichtverbands quasi im Nebenberuf geführt. Und die Schwestergesellschaften standen nun unter einheitlicher Führung – allerdings nur an der Spitze. Die übrigen Vorstände agierten zunächst separat und waren nur für das Geschäft „ihrer“ Gesellschaft zuständig. Im Jahr 1976 wurde die ATR in Hannover Rück umbenannt und begann unter diesem Namen später ihren Aufstieg in die Spitzengruppe der internationalen Rückversicherer.

Cover Geschäftsbericht ATR/Hannover Rück 1976
Aus ATR wird 1976 Hannover Rück
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